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Wie sehr habe ich mich gefreut, als ich bei unserer Ankunft im OFH zwei mir noch aus dem letzten Jahr sehr vertraute Gesichter gesehen habe. Manche würden vielleicht sagen, es handelt sich um ein Gesicht, denn Yacobu und Yesobu sind eineiige Zwillinge und äußerlich nur durch wenige Merkmale zu unterscheiden – jedoch charakterlich sehr verschieden. Denn wie bei Jakob und Esau in der Bibel, hält sich Yacobu eher im Hintergrund auf und Yesobu, als der ältere, ist offener und wilder. Doch beide lieben es, uns auf unseren Ausflügen zu begleiten und uns zu „dienen“. Egal, ob es darum ging, uns das Essen auszuteilen, Wasser zum Hände waschen zu reichen, unsere Koffer zu schleppen usw., die Jungs waren immer sofort zur Stelle.

Was einem anfangs noch sehr unangenehm war (vor allem wenn man sah, wie recht zierlichen Jungs 23kg-Koffer auf die Schultern gelegt wurden, obwohl die doch Rollen hatten…), lernte man recht schnell zu akzeptieren, als man verstand, dass es für sie eine große Ehre war, unsere Taschen zu tragen und uns zu unterstützen, wo es nur ging. Das ist für sie eine Möglichkeit ihre Dankbarkeit auszudrücken. Und manchmal, wenn wir so als Grupper Weißer unterwegs waren und einige der großen Jungs uns begleiteten und uns vor neugierigen und manchmal ungenierten Landleuten zu schützen, wurde einem bewusste, dass sie uns im Ernstfall mit ihrem eigenen Leben beschützt hätten. Diese Einsatzbereitschaft beeindruckte mich sehr. Außerdem erstaunte es mich immer wieder, wie man sich ohne gemeinsame Sprache so gut verstehen kann. Denn ihr Englisch ging selten über „Hello, sister. How are you? I´m fine.“ hinaus. Ganz zu schweigen von meinem Telegu… Trotzdem reichte oft ein Blick, ein Fingerzeig oder ein Lächeln und man wusste was der andere einem sagen möchte. Das faszinierte mich immer wieder.

Als wir uns am letzten Tag in Matchillipatnam uns noch einmal mit den Schülern der 10. Klasse zusammengesetzt haben und über ihre Zukunft gesprochen haben, waren auch Yacobu und Yesobu mit dabei. Sie erzählten, dass sie gern Polizist und Geschäftsmann bzw. Zahnarzt werden möchten. Ob diese Wünsche Wirklichkeit werden können, wird sich zeigen. Normalerweise gehen die Kinder des OFH nach der 10. Klasse in ihre Dörfer zurück oder bekommen von ihrer Verwandtschaft Unterstützung, um auf das College zu gehen. Yacobus und Yesobus Mutter starb, als sie noch ganz klein waren und ihr Vater, ein einfacher Feldarbeiter, konnte sich nicht um sie kümmern und vertraute sie Pastor Babu an. Da er sich immer noch keine Ausbildung für seine Kinder leisten kann, fragte er erneut den Pastor, ob nicht die Möglichkeit besteht, dass sie weiterhin im OFH leben und zum College gehen könnten, wenn sie im Gegenzug mitarbeiten und helfen, wo es benötigt wird. Ob es so kommen wird? Ich weiß es nicht, wir sind schließlich in Indien… Ich würde mich sehr freuen und ich bete dafür. Aber ich bin mir ganz sicher, dass Gott sich auch weiterhin um diese Kinder kümmern wird.

Rahel